Selbständigkeit, ein Weg nicht ohne Hindernisse

Selbständigkeit Cakebusiness

Ganz genau kann ich mich noch an meine Aufregung an diesem Morgen des 1.08.89 erinnern, dem Tag, an dem ich meine Konditorenlehre begonnen habe. Meine allererste Aufgabe bestand darin eine Vanillecreme zu kochen, 1 Liter Milch, 150 g Zucker, 8 Eigelbe, 45 g Stärke und 1/2 Vanillestange….

Knapp 30 Jahre ist das her, und bis auf 4 Jahre, in denen ich unsere 3 Kinder geboren habe (man kann also nicht behaupten, ich hätte in dieser Zeit nichts getan;-)), habe ich immer gearbeitet. Ich kenne sowohl das Gefühl angestellt zu sein, als auch die Situation einer Selbstständigkeit.

Kürzlich hatte ich ein tolles Gespräch mit einer sehr guten Freundin, die ebenfalls selbstständig ist. Wir stellten darin fest, wie sehr uns beide unsere Selbstständigkeit geprägt hat. Ich glaube ich kann sogar behaupten, ich habe mich dadurch in meinem Denken verändert. Habe ich früher wie ein Angestellter gedacht (YEAH, es ist heute nichts los, wir müssen weniger arbeiten), sind heute meine Gedanken die eines Unternehmers…

In meinem Alltag stelle ich fest, dass dieses “neue” Denkmuster nicht von jedem verstanden wird, dass kann ich meinem Umfeld natürlich nicht übel nehmen. In manche alten Freundschaft schleicht sich dadurch leider etwas “trennendes” ein. Es ist kein Zufall, dass ich über geschäftliche Themen/Sorgen am liebsten mit anderen Selbstständigen spreche, weil ich dort auf echtes Verständnis treffe.

Viele dieser Punkte haben mit Finanzen zu tun, aber auch Druck und Verpflichtung. Auf keinen Fall möchte ich hier den Eindruck entstehen lassen, ich wüsste nicht, dass auch ein angestellter Arbeitnehmer unter massivem Druck stehen kann. Oh ja, auch ich erinnere mich an 100.te unbezahlter Überstunden in der Gastronomie, ungerechte Chefs, durchgearbeiteter Wochenenden wegen Messe oder auch Urlaubswünsche, die aus Gründen von Mitarbeiterknappheit so nicht erfüllt werden konnten.

Der große Unterschied zu meinem Leben als Selbstständiger heute ist aber, hatte ich dann frei, dann war ich auch frei! In meinem Tun und in meinen Gedanken. Obwohl ich als Chef Patissier ein kleines Team und Verantwortung getragen habe, hat mich das gedanklich in meiner Freizeit so gut wie nie beschäftigt, so wie das suess-und-salzig seit 13 Jahren tut, an 365 Tagen im Jahr! Stellt euch die Selbstständigkeit vor, wie die Sorge um ein “Kind”, welches immer kurz davor ist auf die schiefe Bahn zu rutschen;-)), manchmal fühlt es sich natürlich auch so an, als ob dein “Baby” das tollste von allen ist;-))

Für viele Menschen im Angestelltenverhältnis ist dieser extreme Druck häufig nicht nachzuvollziehen unter dem wir Selbstständige stehen. Das meine ich nicht wertend, denn mir ging es ja früher nicht anderes. Es ist fast unmöglich sich in die Lebenssituation eines anderen einzudenken, die völlig fern ist von dem was man selber (er)lebt.

Gut gemeinte Ratschläge wie, dann nimm doch weniger Aufträge an (wenn der Stresspegel permanent zu hoch ist), Du da kommen bestimmt noch Buchungen (wenn die Auftragslage mau ist, aber X Rechnungen sich auf deinem Schreibtisch stapeln). Die maßlose Enttäuschung und der Frust, wenn ein fest eingeplanter Auftrag, ohne Rückmeldung vom vermeintlichen Kunden, kommentarlos im nichts versickert; in den man im Vorfeld so viel Zeit und Energie reingesteckt hat, sind Punkte, wo ich mich am liebsten mit “Leidensgenossen” austausche. Genau wie, “wenn du krank bist, bist du krank”, nein so funktioniert das eben nicht, oder dann mache halt länger Urlaub, sind richtig übel Punkte, mit die Schlimmsten überhaupt!

Es gibt nämlich einen ganz entscheidenden Unterschied, nicht arbeiten heißt hier automatisch null Einkommen, da ist nichts mit Lohnfortzahlung und/oder sogar Urlaubsgeld.

Apropos, Altersvorsorge lasst uns lieber gar nicht drüber sprechen…..

Ein ganz schwieriges Thema ist der Bereich Finanzen. Also hätte mir früher jemand erzählt, Du ich habe diesen Monat 8000,00 € umgesetzt, da hätte ich geglaubt mein Gegenüber führt ein Leben wie Dagobert Duck, der in seiner Freizeit in Goldtalern badet. Das dafür in einem Wintermonat vielleicht noch nicht mal das Geld für Krankenkasse, Steuer, Fixkosten und Versicherungen reinkommt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Welche krasse Spanne darin liegt, vom eigentlichen Umsatz und dem was dem Selbstständigen noch bleibt , ist nicht in Worte zu fassen. Gefühlt kommen jährlich neue Positionen dazu, und ich bin wirklich ehrfürchtig vor allen Unternehmen, die noch deutlich höhere Fixkosten und natürlich noch jede Menge Gehälter bezahlen müssen. Ja, ich weiß um diese Unternehmen, die ihren Aktionären die Taschen vollschaufeln und die Mitarbeiter bluten lassen. Aber es gibt auch viele andere, die mit ihrem persönlichen Vermögen einstehen, dass ein Betrieb auch durch schwere Zeiten kommt.

Perspektivwechsel, ein Wort das gerade gerne gebraucht wird, manchmal würde ich mir sehr wünschen, der eine oder andere Mitmensch würde mal 1 Monat in meiner Haut stecken:-). Beim Lesen dieses Textes mag manch einer denken, aber wo sind jetzt Vorteile einer Selbstständigkeit, warum spricht sie darüber nicht?

Natürlich hat auch die Selbstständigkeit viele positive Seiten, um nur ganz kurz darauf einzugehen, für mich ist es die Entscheidungsfreiheit, maximale Kreativität und auch eine gewisse Flexibilät, die ich daran am meisten schätze.

Aber darum geht es in diesem Artikel nicht, sondern um Themen, die eben nicht so erfreulich sind, die mich als Selbstständige aber täglich begleiten und teilweise auch sehr belasten.

Und ohne ein Orakel sein zu wollen, liest du diesen Text als angestellter Arbeitnehmer, wirst du nun sehr wahrscheinlich denken, was hat die Frau für Luxusprobleme?! Bist du ebenfalls Selbstständig, sitzt du jetzt vor dem Bildschirm und nickst mir zu…

Und das ist der Punkt und manchmal auch das Problem.

Heike

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