Marokko, ein Reisebericht

Heike Krohz-marokko

15 Tage Marokko liegen hinter uns, und es kommt mir so vor als ob wir 6 Wochen dort gewesen wären, meine Kopf ist noch so voll, von all den Eindrücken, die wir auf unserer Rundreise gesammelt haben.

Rund 1500 km sind wir durch dieses kontrastreiche Land gefahren, und ständig waren wir hin und hergerissen zwischen Faszination, Überforderung und Erstaunen.

Heike Krohz-marokko

Begonnen haben wir unsere Tour in Marrakesch, direkt mit 100% Orientfeeling in der Mdina dieser Stadt. Eben wandert man noch durch den klimatisierten Flughafen und plötzlich scheint man im Mittelalter gelandet zu sein. Unsere 1. Unterkunft ein kleines Riad mit nur 5 Zimmern und einer wundervollen Dachterrasse war genau der richtige Ort, um nach einem Tag Marrakesch all die 1000 Eindrücke zu verarbeiten, die einen dort regelrecht überrollen. Es sind nicht nur die unzähligen, für uns unüberschaubaren Gassen, sondern auch das Gewusel und der Geräuschpegel dieser Stadt (das wichtigste Teil eines marokkanischen Autos ist definitiv die Hupe;-)), sowie die etlichen Gerüche und teilweise auch der Gestank, die einen fast an den Rand eine Kulturschocks bringen.

Ja, es gibt sie dort wirklich die Schlangenbeschwörer und Wunderheiler,
auf dem Djemaa el-Fna, die auch gleich noch ein Auswahl von Dutzend gebrauchten Gebissen im Angebot haben. Unzählige Verkäufer bieten in den Souks ihre Waren feil, und klar wer so sehr nach Touri ausschaut wie wir, wird auch ständig angesprochen. Auch wenn uns das vorher schon klar war und wir ähnliches auch schon z.B. in Istanbul erlebt haben. Ist die Vehemenz hier nochmal eine andere, und nein angenehm ist das nicht immer unbedingt.

2 Tage zum Ankommen in Marrakesch waren optimal und dann ging es für uns nach Ouarzazate wo wir eine Unterkunft in einer Kasbah gebucht hatten.

Ait Ben Haddou, ein teilweise noch schneebedecktes Atlasgebirge, sowie diverse wunderschöne Oasen in einem riesigen ausgetrockneten Flussdelta, haben uns in dieser häufig unwirtlichen Gegend den Eindruck vermittelt wie es ist in der (Stein)Wüste zu leben. Frauen, die ihre Wäsche am Bach waschen, kleine Lehmhütten und das Leben in sehr, sehr einfachen Verhältnissen gehören für die meisten Marokkaner zum Alltag. Gibt es in den großen Städten alles, was wir aus unseren dt. Großstädten so kennen, sei es das berühmte Schnellrestaurant mit dem M, selbst Zara-Home habe ich gesichtet, fühlten sich die Fahrten dort an wie eine Zeitreise 100 Jahre zurück.

Der obligatorische Besuch auf dem heimischen Markt, hat mich das erste Mal in meinem Leben ernsthaft darüber nachdenken lassen, zu mindestens für unseren Aufbehaltet in Marokko zum Vegetarier zu werden. Marktstände mit stinkenden und siefenden Innereien sind selbst für Menschen mit weniger empfindlicher Nase eine echte Zumutung. Und wie es dort im Sommer riecht, wenn das Thermometer nochmal 15 Grad mehr anzeigt, daran möchte ich nicht denken. Das Thema (Lebensmittel-) Hygiene war für mich persönlich die größte Herausforderung dieser Reise, auch müssen wir leider sagen, dass das Essen uns grundsätzlich nicht überzeugt hat. Dabei haben wir wirklich alles ausprobiert von ganz günstig bis sehr gehoben. Auf Grund der Vielzahl der vorhanden Gewürze und der tollen Produkte, waren wir ziemlich ernüchtert was das betrifft.

Nach drei Tagen in der Steinwüste waren wir uns einig, genug authentisches Wüstenfeeling für uns, statt 3 weitere Tage dort, haben wir uns für drei Nächte in Tagazout eingebucht. Ja ich gebe es offen zu, bewusst in ein sehr chices Hotel mit europäischem Standard und Komfort;-). Man muss an dieser Stelle auch einfach mal ehrlich zu sich selber sein. So sehr wir Fan von authentischen Erlebnissen sind, so sind wir halt auch geprägt vom dem wirklich sauberen, geregelten Leben aus dem wir kommen. Meine Vorstellung von Marokko war teilweise wohl zu romantisch-folkloristisch angehaucht, trotz dem Lesen von diversen Reiseführern, waren in meinem Kopf vor allem die Instagrambilder von Marokko abgespeichert. Diese Spots gibt es auch wirklich, genau wie das unfassbar tolle Licht, ABER sie zeigen vielleicht mal gerade 10 % von Marokko und haben mit der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen wenig gemein.

Noch in keinem anderen Land ist mir bewusst geworden, wie stark unserer eigene Lebensgeschichte davon abhängt wo wir geboren sind, welche Möglichkeiten einem dadurch offen stehen, oder auch nicht, und was regelmäßiger Regen für ein Luxus ist und für den Wohlstand der Menschen bedeutet.

Das nächste Ziel unserer Reise war dann Agadir, eine Stadt mit kilometerlangen Stränden, an dessen Promenade sich ein Hotel an das andere reiht. Wie überall im Land liegen Luxusvillen und unendliche Armut dicht beieinander, oft trennt eine große Mauer das Leben der Touristen von der Wirklichkeit der Marokkaner.

Uns fiel es häufig schwer , nachdem wie eben noch an Plätzen vorbei gefahren sind, wo Mensch und Tier gleichermaßen im Müll nach essbaren gesucht haben, sich vom Luxus unseres Hotels einlullen zu lassen.

Wenn Marokko auch nicht mein Herz gestohlen hat, so bereue ich unsere Reise dorthin auf keinen Fall. Sie hat auf jeden Fall etwas mit uns gemacht und Spuren hinterlassen, und wir hatten als Familie, dieses mal nur noch mit einem Kind statt sonst immer drei, eine wirklich schöne Zeit.

Die letzten 2 Tage unserer Reise verbrachten wir dann wieder in Marrakesch, und siehe da, anders als noch noch 12 Tage davor, kam uns die Stadt nicht mehr so überfordernd vor. Marrakesch ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wenn klare Sicht ist, sich das rot der Stadt, in der es übrigens überraschend viel grün in Form von schönen Parks und Palmen gibt, absetzt mit den schneebedeckte Bergkette des Atlasgebirges, dann entsteht ein Panorama, dass man nie mehr vergisst.

Bsslama

Heike

Schreibe einen Kommentar